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Den ersten Satz schreiben

Der erste Satz ist der wichtigste Satz eines Buches, denn er entscheidet ob der Leser weiter liest oder das Buch wieder ins Regal stellt. 

Nicht mit dem Wetter anfangen

Ich weiß nicht warum viele mit der Beschreibung des Wetters anfangen, aber eines ist klar: Das Wetter ist nichtssagend und interessiert niemanden. Ein Typischer Satz sieht so aus:

Es regnete in Stürmen und die Tropfen lieferten sich ein Wettrennen auf der Fensterscheibe, während der Wind die Fensterläden klappern lies.

Aber was interessiert mich ob das Fenster nass ist oder ob die Fensterläden klappern. Mich interessieren die Handlung und Charaktere. Von beiden haben wir nichts erfahren. Schon besser wäre das:

Die Nacht war düster wie die Gedanken des Mannes der gerade etwas furchtbares vorhatte.

Zwar kommt das Wetter vor, aber es dient eigentlich der Beschreibung des Charakters.

Dieser hier ist auch nicht schlecht:

Der Regen fiel in dicken, lauenTropfen vom Himmel und vermischte sich mit zahllosen Tränen – Marc Stehele: Dunkler Herrscher: Geist der Finsternis

Auch wenn ich dabei an folgendes Charlie Chaplin Zitat denken musste: „I like to walk in the rain because no one can see my tears“ – „Ich mag es im Regen zu spazieren, weil dann niemand meine Tränen sieht.“

Erzeuge Fragen

Nehmen wir mal diesen Satz:

Als ihn der dritte Schlag ins Gesicht traf, gab es bereits keine Zähne mehr die man  hätte ausschlagen können.

Hier wird offensichtlich jemand zusammengeschlagen. Aber wer und warum und von wem? Wird er sich noch befreien können? Diese Fragen stellt sich der Leser, um diese zu beantworten muss man weiterlesen. Zudem wird gleich der Ton der Geschichte festgelegt. Der Leser weiß dass er Action erwarten kann. Bei dem Beispiel mit dem Wetter stellt sich der Leser keine Fragen.

Die Pointe im Nebensatz

Manche Sätze können zwar Fragen erzeugen, haben aber trotzdem nicht das gewisse etwas. Nehmen wir mal das Beispiel und ändern es ein wenig:

Ihn traf ein weiterer Schlag ins Gesicht.

Dieser Satz erzeugt weiterhin dieselben Fragen wie zuvor, hat aber nicht dieselbe Wirkung. Gerade diese Stelle

(…)gab es bereits keine Zähne mehr die man hätte ausschlagen können.

gibt dem Leser mehr Informationen als man meinen könnte. Nach drei Schlägen hat man normalerweise noch ein paar Zähne, also muss die Person schon vorher welche verloren haben. Vielleicht von früheren Prügeleien. Außerdem rechnet man damit wenn jemand geschlagen wird, dass er blutet, stöhnt, schreit, vielleicht einen Zahn ausspuckt aber das gleich alle zuvor schon ausgeschlagen wurden?

Ähnliches hier:

Das Telefon klingelte als er dabei war jemanden zu töten.

Niemand denkt an einen Mord wenn das Telefon klingelt. Gerade diese Banalität (das Telefon) in Zusammenhang mit etwas ernstem (der Mord) macht diesen Satz besonders.

Allgemein gesagt kann man einen guten Satz daran erkennen, ob er genug Inspiration einer ganzen Geschichte hergibt.

Arten von guten Anfangssätzen

Was immer geht ist wörtliche Rede, nur sollte man der Versuchung widerstehen sich dann etwas komplett anderem zuzuwenden:

„Dann erklären Sie mir mal wie das mit dem Unfall war“, sagte der Doktor und setzte sich an seinen Schreibtisch. Die Sonne schien durch das Fenster direkt hinter ihm und lies seine Glatze glänzen als träge er den Heiligenschein eines Engels. Eines Schutzengels. Jack kratze sich am behelfsmäßigen Verband und fragte sich wie es nur zu alldem gekommen war. Hätte er doch lieber


Besonders für Krimis und Thriller eignen sich Fakten.

Im Lotto zu gewinnen, ist mindestens 37-mal wahrscheinlicher, als von einem glühenden, tödlichen Stein aus dem Weltall getroffen zu werden. Jon Ewo – Am Haken


Statt eines Satzes kann man auch nur ein Wort benutzten oder einen sehr kurzen Satz. Der Vorteil darin liegt dass man automatisch weiter liest. Dafür muss der zweite Satz umso mehr überzeugen:

Socken. Wenn sie nicht gerade in den ewigen Jagdgründen der Waschmaschinen verschwanden konnte man sie super benutzen um …


Humor. Der Universalschlüssel des Lebens:

Newton viel ein Apfel auf den Kopf und veränderte so sein Leben, bei mir war es Vogelscheiße. An jenem schicksalhaften Tag, als sich mein Jacket der unfreiwilligen Tönung von schwarz zu weiß unterzog, hatte ich …


Die Kernaussage / Die Zusammenfassung.

Der Mann in schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm. – Stephen King: Der Dunkle Turm – Schwarz

Dies ist mein Lieblingserstersatz und er gehört zur Königsklasse. Mit nur einem Satz erfahren wir wer der Protagonist, wer der Antagonist, was das Setting und was die Ziele des Protagonisten und des Antagonisten sind.

Der Mann in schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm.

Der Leser wird sofort in die Geschichte geschmissen und weiß worum es geht. Trotzdem erzeugt dieser Satz auch Fragen: Warum folgt der Revolvermann dem Mann in schwarz? Warum sind sie in einer Wüste?
Fans der Reihe kennen natürlich noch einen anderen Grund warum dieser Satz so genial ist …

1 Kommentar »

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